Bindungsanalyse

nach Hidas & Raffai

Die Mutter-Kind-Bindungsanalyse ist eine Form der Schwangerschaftsbegleitung, bei der sie als Schwangere die Möglichkeit bekommen, mit Ihrem Baby in innigen Kontakt zu treten und so schon vor der Geburt eine tiefe Beziehung mit ihm aufzubauen.

Dadurch kann sich das vorgeburtliche Kind von Anfang an wahrgenommen, geachtet und geliebt fühlen, wodurch es seine Persönlichkeit optimal entwickeln kann.

In der Bindungsanalyse entsteht eine Verbindung zwischen Ihnen beiden, über die Sie gut kommunizieren und sich verstehen können. Ihr Baby kann in diesem „seelischen Raum“ mit Ihnen in Kontakt treten und über innere Bilder, Gefühle oder Gedanken etc … seine Gefühlswelt mitteilen. Sie können lernen, adäquat auf das Erleben Ihres Kindes zu reagieren und auch Ihr Erleben mitteilen. So entsteht ein Dialog, der die Bindung vertieft und das Vertrauen und den Selbstwert des vorgeburtlichen Babys stärkt.

Die Bindungsanalyse ist grundsätzlich für jede Schwangerschaft geeignet.
Besonders empfehlenswert ist die Bindungsanalyse für Sie und Ihr Baby, wenn…

Sie schon früh den Wunsch haben, in intensive Verbindung mit Ihrem Kind zu gehen

Sie viele Ängst und Sorgen haben

Sie gestresst sind oder sich anderweitig belastet fühlen

Sie in früheren Schwangerschaften oder zu einem anderen Zeitpunkt Depression erlebt haben

Sie eine vorherige Geburt traumatisch erlebt haben

in einer früheren Schwangerschaft Ihr Baby zu früh zur Welt kam

Sie in der Vergangenheit Fehlgeburt(en) hatten

Ihre Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft gilt oder Ihr Baby eine Krankheitsdiagnose bekommen hat

Sie eine Kinderwunschbehandlung hatte?

Sie können mit der Bindungsanalyse schon in der Frühschwangerschaft beginnen, idealerweise bis um die 18. Schwangerschaftswoche. Scheuen Sie sich aber nicht, bis zur 25. Schwangerschaftswoche oder bei Bedarf auch später noch mit der Bindungsanalyse zu starten.

Auch der Vater des Babys kann an der Bindungsanalyse teilnehmen.

Die Anamnese
In den ersten Stunden werden wichtige Ereignisse im Leben der Schwangeren und ihres Partners/ihrer Partnerin besprochen. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die eigene frühe Lebenszeit vor und nach der Geburt gelegt.
Danach beginnen die wöchentlichen Babystunden, in denen die Verbindung zum Baby aufgebaut und vertieft wird.

Die Babystunden
Als Rahmenbedingung dazu dient eine Entspannungssituation im Liegen, die es Ihnen ermöglicht, sich auf die Wahrnehmung der Signale des Babys zu konzentrieren.
Indem Sie in Kontakt mit sich selbst und ihrem Körper gehen und die dort spürbaren Empfindungen wahrnehmen, stärken Sie die Verbindung zu sich selbst und das Vertrauen in Ihren Körper und ihr Baby.

Die Abschlussphase
In den letzten Wochen der Schwangerschaft wird der Fokus in den Bindungsanalyse- Sitzungen auf den Übergang der Geburt gerichtet.
Für die Eltern und das Baby ist die Geburt eine sehr große Veränderung, die mit starken Emotionen verbunden sein kann.
In den sogenannten Abschlussstunden, bereiten Sie und Ihr Kind sich auf den Abschied von der Schwangerschaft und das neue Leben nach der Geburt vor. Dabei wrid auf die Gefühle aller Familienmitglieder eingegangen, die an diesem Prozess teilhaben.
Nach der Geburt können bei Bedarf Stunden mit Mutter, Vater und Kind stattfinden. Nach einer abgeschlossenen Bindungsanalyse werden der Familie Sitzungen zur Reflexion angeboten.

Im Zusammenhang mit der Bindungsanalyse können häufig positive Effekte beobachtet werden.

Zum Beispiel:
Die Mutter stimmt sich aufs Baby ein, gewinnt Selbstvertrauen in sich selbst und in die physiologischen Abläufe. Dies sind die Grundvoraussetzungen für eine (von Mutter und Kind) selbstbestimmte Geburt.
Oft weniger Ängste vor der Geburt und dadurch ggf. weniger Schmerzen
Die Notwendigkeit für geburtshilfliche EIngriffe ist nach Bindnsanalysen reduziert. Daruch ergibt sich eine größere Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Geburt (Kaiserschnittrate ca 18% im ergleich zu durchschnittich 32%)
Weniger Frühgeburtlichkeit (etwa 1% statt durchschnittlich 8%)
Die geringere geburtstraumatische Belastung äußert sich auch in seltenerem Schreien der Baby. Sie sind aufmerksamer und öffnen sich leichter, sind emotional stabil und sozial kompetent. Es gelingt ihnen oft leichter, sich auf den Tag-Nach-Rhythus einzustimmen.
Der Umgang der Mütter mit den Babys ist intuitiver und sicherer, die Verständigung scheint einfacher.
Postpartale Depressionen sind seltener (1% statt durchschnittlich 10-15%)

Nicht alle Frauen und Familien machen alle diese Erfahrungen. Das zeigt einmal mehr, dass Babys sehr unterschiedlich sind und unterschiedlich lange brauchen, um sich an die Welt hier draussen zu gewöhnen.